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Geschichte des Tauchens 
 
 
 Die Geschichte des Tauchens begann schon vor 6500 Jahren.
 
Die Zivilisation war vom Anbeginn der Geschichte eng an das Wasser der Flüsse,
 
Seen und vor allen Dingen Meere gebunden.
 
Die Gewässer sind seit Urzeiten Nahrungsgrundlage vieler Menschen und dienten als Transportwege.
 
So ist es nicht verwunderlich, dass schon vor langer Zeit versucht wurde,
 
die Bereiche unter der Wasseroberfläche zu erkunden.
 
 
 
Frühzeit und Antike  -  Die  Anfänge
 

Archäologische Funde beweisen, dass schon 4.500 v. Chr. Apnoetaucher in Ostasien,

Indien und im Arabischen Meer nach Perlen, Perlmutt, Schwämmen und Korallen tauchten.

In der japanischen Präfektur Mie tauchen bis zum heutigen Tag

die so genannten Amah („Meerfrauen“) ohne Schnorchel und Pressluftgerät nach wertvollen

und schmackhaften Awabi-Muscheln und halten eine Jahrtausende alte Tradition am Leben.

In Europa gab es erste Anzeichen für das professionelle Tauchen ab ca. 2.500 v. Chr.

Griechische Schwammtaucher ernteten die Tiere in großen Mengen.

 

2.000 Jahre später tauchte der Grieche Scyllias nach versunkenen Schiffen,

um wertvolle Ladung zu bergen.

Dem Mythos nach soll er dabei einen umgedrehten Kessel als Luftreservoir genutzt haben.

Sollte dies wahr sein, wäre er der erste Gerätetaucher der Geschichte.

 

Um 450 v. Chr. zur Zeit der Perserkriege erscheinen erste Berichte über griechische Marinekampftaucher.

Sie sollten sich unbemerkt den feindlichen Schiffen nähern und diese anbohren.

Über hundert Jahre später beschrieb Aristoteles das Prinzip der Tauchglocke.

Er berichtete von griechischen Schwammtauchern, die dieses Tauchgerät verwendeten.

Es wird behauptet, dass Alexander der Große in seiner Jugend einen Tauchversuch

in der neuartigen Konstruktion gemacht hätte.

Diese Erfindung geriet wie so viele Errungenschaft der Antike später wieder in Vergessenheit.

 

Um 250 v. Chr. entdeckte Archimedes die für den Schiffbau und das Tauchen

wichtigen Gesetze des Auftriebes. Er erkannte, dass die Auftriebskraft eines Körpers

in einem Medium genau so groß ist, wie die Gewichtskraft des vom Körper verdrängten Mediums.

Heute nennt man dieses Gesetz Archimedisches Prinzip und es gehört

zu den wichtigsten physikalischen Prinzipien, die ein Taucher kennen,

verstehen und vor allen Dingen kontrollieren muss.

 

Um 60 n. Chr. berichtete der römische Feldherr, Politiker

und Gelehrte Plinius der Ältere von Kampftauchern.

Er war Präfekt der römischen Flotte und ließ die Taucher mit Schnorcheln ausstatten.

 

Vereinzelte weitere Berichte über den Einsatz von Tauchern existieren.

So sollen z.B. im Jahre 194 im Zuge einer Belagerung in einem der

zu dieser Zeit häufigen römischen Bürgerkriege oströmische Kampftaucher

einige weströmische Galeeren erobert haben.

 

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 Mittelalter - 1000 Jahre Stillstand

 

Nach der Antike fiel über Europa die finstere barbarische Nacht des Mittelalters.

Große Teile des Wissens der Antike gingen verloren.

Andere wurden in Byzanz bewahrt und später von der jungen Kultur des aufstrebenden Islam

für die Menschheit erhalten. Die Erfindung der Tauchglocke gehörte zu dem Teil des Erbes,

der vorerst verloren ging.

Die wissensfeindliche und prüde weströmische Kirche verteufelte sogar das Schwimmen.

So kam es, dass zu Zeiten eines Christoph Kolumbus wagemutige

europäische Seeleute zwar immer weiter hinaus auf den Ozean segelten,

aber im Allgemeinen nicht schwimmen, geschweige denn tauchen konnten.

 

Im von Bürgerkriegen zerütteten Japan entwickelte die Kriegerkaste

der Ninja neue Schwimmtechniken und beschäftigte sich auch mit dem Tauchen. 

 
 
 
Neuzeit - Wissenschaft und Technik auf dem Vormarsch 
 
 
 Renaissance - Rückbesinnung und erste neue Ideen
 
 

Das Ende des europäischen Mittelalters wurde durch den Fall Konstantinopels

im Jahre 1453 und die Entdeckung der neuen Seewege durch Portugiesen und Spanier eingeleitet.

Wichtige Erfindungen wie der moderne Buchdruck leiteten ein neues Zeitalter

der geistigen Freiheit und des wissenschaftlichen Forscherdranges ein.

Die alten Schriften der Antike wurden wieder studiert und vieles Wissen der Vorzeit neuentdeckt.

 

Leonardo da Vinci, einer der schöpferischsten Denker der Renaissance,

entwarf um 1500 einen schweinsledernen Tauchanzug mit einer Lederkappe

und handtellergroßen Glaslinsen als Maske.

Zur Luftversorgung plante er einen Blasebalg mit 2 Schläuchen.

Das Tauchgerät war für einen militärischen Einsatz gegen die gefürchtete osmanische Flotte gedacht.

Ein Nachbau aus dem Jahre 2003 bewies die grundsätzliche Funktionsfähigkeit der Konstruktion.

 

1521 versuchte der erste Weltumsegler Ferdinand Magellan auf hoher See die Tiefe zu loten.

Er ließ ein 700m langes Seil ab und fand keinen Grund. Daraus zog er den Schluss,

dass das Meer unendlich tief sei.

 

1538 wurde in Toledo eine offene Tauchglocke ohne Luftversorgung vorgeführt

und somit das damals 1800 Jahre alte Prinzip neuerfunden.

 
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17. und 18. Jahrhundert - Ursprünge der modernen Tauchtechnik
 
 
Diese 2 Jahrhunderte sind durch grundsätzliche Entdeckungen in vielen Bereichen
 
der Wissenschaft und nachhaltige gesellschaftliche Umwälzungen geprägt.
 
Insbesondere die Geografie, die Mathematik und die Physik erreichten ein Erkenntnisniveau,
 
dass in vielen Fragen bis heute nicht übertroffen ist. Die gesellschaftlichen Umwälzungen
 
waren für die Entwicklung des Tauchens nicht weniger bedeutsam.
 
Die Glorreiche Revolution in England hatte die Entwicklung der modernen Industriegesellschaft zur Folge.
 
Weitere radikalere Revolutionen folgten später in Frankreich und den USA.
 
Die rasante wirtschaftliche Entwicklung und die neuen Erkenntnisse der Wissenschaft
 
ergaben die Möglichkeit, Maschinen zu bauen und führten zur sogenannten
 
Ersten Industriellen Revolution die eine grundlegende Voraussetzung für das Tauchen
 
mit technischen Hilfsmitteln war.
 
 

Um 1650 gelangen dem Magdeburger Multitalent Otto von Guericke
 
entscheidende Entdeckungen und Erfindungen, die im Zusammenhang mit der Luft,
 
ihrem Gewicht und dem Druck standen.
 
Er erfand unter anderem das Barometer, die Kolbenluftpumpe und das Luftdruckgewehr.
 
Seine teilweise spektakulären und öffentlichen Versuche bewiesen zum einen,
 
dass Luft überhaupt Gewicht besitzt und zeigten die Existenz und enorme Wirkung des Luftdruckes,
 
einer bis dahin unbekannten physikalischen Größe.
 
Die Gesetze des Druckes sind für das Tauchen von enormer Bedeutung
 
und jeder Taucher muss sie kennen und verstehen.
 
Guerickes Barometer ist ein Gerät zur Messung des Luftdruckes und dient der Wettervorhersage.
 
Zu jeder modernen Tauchausrüstung gehören 2 Druckmessgeräte.
 
Der Tiefenmesser misst die Tauchtiefe indirekt über die Wasserdruck.
 
Das Finimeter zeigt den aktuellen Flaschendruck – also die Menge der verbleibenden Pressluft – an.
 
  

Der englische Physiker Robert Boyle beschrieb 1662 den Zusammenhang

zwischen Druck und Volumen eines Gases.

1676 gelangte unabhängig von ihm sein französischer Kollege

Edme Mariotte zu denselben Erkenntnissen. Das Gesetz von Boyle-Mariotte besagt,

dass das Produkt aus Druck und Volumen einer festgelegten Stoffmenge von Gas konstant ist.

Das bedeutet, dass bei steigendem Druck eine Gasblase an Volumen verliert

und sich bei fallendem Druck ausdehnt. Dieser physikalische Zusammenhang

ist die vielleicht bedeutsamste theoretische Erkenntnis für die Entwicklung des Tauchens.

Die wichtigsten Probleme des Tauchens wie Druckausgleich der organischen Hohlräume

oder Auftriebskontrolle können nur verstanden und kontrolliert werden,

wenn man das „Gesetz von Boyle-Mariotte“ beachtet.

 

1670 entdeckte Robert Boyle, dass Gase sich unter Druck in Flüssigkeiten lösen

und bei Druckabfall Blasen bilden.

Dieses Verhalten ist für die Erklärung der Taucherkrankheit von grundlegender Bedeutung.

 

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts entdeckte der französische Physiker

 Guillaume Amontons den Zusammenhang zwischen Druck und Temperatur

eines Gases bei vorgeschriebenem Volumen. In der Literatur wird dieses physikalische

Prinzip als Zweites Gesetz von Gay-Lussac bezeichnet und besagt,

dass Druck und Temperatur eines Gases bei konstantem Volumen direkt proportional sind.

Das bedeutet, das bei steigender Temperatur auch der Druck steigt und umgekehrt.

Dieser Zusammenhang ist für moderne Tauchtechnik sehr wichtig.

Im Rückschluss bedeutet dieses Gesetz, dass fallende Drücke zur Abkühlung führen.

Eine technisch problematische Herausforderung der Luftversorgung eines Gerätetauchers

ist der Abbau des extremen Hochdruckes der Pressluftflasche auf atembares Druckniveau.

Das ausströmende Gas verliert an Druck und kühlt ab, was zu Vereisungen von Ventilen

und Versagen der Luftzufuhr führen kann.

 

Im Oktober 1691 zeigte Edmund Halley der Öffentlichkeit eine Tauchglocke mit Luftversorgung.

Zusätzlich zur Glocke wurden mit Luft gefüllte Fässer abgelassen.

Wenn man diese unterhalb der Glocke öffnete, konnte die Glocke mit Frischluft befüllt werden.

Taucher, die mit Hilfe von Atemschläuchen mit der Glocke verbunden waren,

konnten die komprimierte Luft atmen. Halley, nach dem übrigens der bekannte Halleysche Komet benannt ist,

blieb mit dieser Vorrichtung für 1,5h in 15m Tiefe. Später wurden derartige Glocken mit Ablassventilen ausgestattet,

so dass vor dem Nachfüllen verbrauchte Luft abgelassen werden konnte.

 

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Um 1715 stellte der Brite John Lethbridge seine „Tauchtonne“ (diving engine) vor.

Es handelte sich um einen geschlossenen Panzertauchanzug.

Der Taucher befand sich in einer hölzernen Tonne, aus der Arme und Beine heraustraten.

Die Tonne war mit Lederdichtungen versehen, so dass nur die Gliedmaßen dem Wasserdruck ausgesetzt waren.

Die Luftversorgung erfolgte über Blasebalge, mit denen die Tonnen vor dem Tauchgang befüllt wurde.

Da der Luftvorrat in der Tonne sehr begrenzt war, waren die Grundzeiten entsprechend kurz.

Nachbauten haben bewiesen, dass das Tauchen mit der „Tauchtonne“

wegen des fehlenden Druckausgleiches eine sehr schmerzhafte Prozedur war

und dass die Tauchtiefe auf 20m begrenzt blieb.

Trotzdem bewährte sich die Tauchtonne bei Bergungsarbeiten an gesunkenen Schiffen.

 

1777 beobachtete der schwedische Forscher Scheele, dass Bienen

in einem geschlossenen Behälter länger überlebten,

wenn man eine Schüssel mit Kalkwasser hineinstellte. Das in Kreislaufgeräten genutzte Prinzip

der Absorption des Kohlendioxides durch Kalk war entdeckt.

 

1787 beschrieb der französische Physiker Jacques Alexandre César Charles

den Zusammenhang zwischen Temperatur- und Volumenänderung eines Gases.

15 Jahre später im Jahre 1802 gelangte der ebenfalls französische Physiker

und Chemiker Joseph Louis Gay-Lussac zu denselben Erkenntnissen.

Die Schulbücher taten, wie so oft, dem ursprünglichen Entdecker unrecht.

Der entdeckte Zusammenhang wird in der Literatur allgemein

als das Erste Gesetz von Gay-Lussac bezeichnet.

Das physikalische Gesetz besagt, dass Temperatur und Volumen

einer festgelegten Stoffmenge an Gas direkt proportional sind.

Das bedeutet, dass bei steigender Temperatur das Volumen wächst.

 

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war der Maschinenbau

in Großbritannien so weit entwickelt, dass immer leistungsfähigere

und mobile Kompressoren gebaut werden konnten.

Die konstant erzeugte Druckluft wurde genutzt, um Tauchglocken kontinuierlich

mit Frischluft zu versorgen.

1788 konstruierte der britische Wasserbauingenieur John Smeaton

die erste mit Kompressorluft versorgte Tauchglocke.

 

Der Kompressor gestattete auch eine weitere Form der Bewegung unter Wasser,

die dem modernen Tauchen schon sehr ähnlich ist.

Die Tauchglocken wurden der Art verkleinert, dass sie nur noch den Kopf bedeckten.

Es entstand das Helmtauchgerät. Die Luft im Helm hatte bei entsprechender

Leistung des Kompressors immer den Umgebungsdruck des Wassers.

Überschüssige Luft trat aus dem Helm unten aus. Allerdings konnten solche Taucher

sich nur aufrecht bewegen, weil bei seitlicher oder gar Kopflage die Luft komplett

aus dem Helm entwich und dieser voll Wasser lief.

Eine weitere Gefahr bestand im sogenannten Blaukommen.

Bei Ausfall der Luftversorgung wurde der Taucher in den Helm gedrückt,

was zu schweren Verletzungen führte.

 

Den ersten funktionierenden Helmtauchapparat stellte der aus Breslau

stammende Karl Heinrich Klingert im Jahre 1797 vor. Er bewies,

dass das Gerät prinzipiell einsetzbar ist, indem er in der Oder

in 6m Tiefe einen Baumstamm zersägte.

 
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19. Jahrhundert - Entdeckung der Gefahr der Tiefe 
 
 
 In diesem Jahrhundert erreichte die „Erste Industrielle Revolution“ bis dahin unbekannte Dimensionen.
 
Die seit der Renaissance gewonnenen theoretischen Erkenntnisse wurden für praktische Anwendungen genutzt.
 
Es kam fast jährlich zu grundlegenden Erfindungen in allen Bereichen des Lebens.
 
Die industrielle Massenproduktion erlaubte, dass die neuen Produkte auch schnell Verbreitung fanden
 
und nicht wie einst Leonardo da Vincis Konstruktionen als seltenes Einzelstück oder purer Entwurf endeten.
 
Natürlich kamen die neuen Erfindungen und Techniken auch der Entwicklung des Tauchens zugute,
 
und zwar durch eine gegenseitige Befruchtung. Zum einen erlaubten moderne Technologien
 
wie neuartige Methoden der Metallurgie oder Metallbearbeitung Fortschritte im Bereich der Tauchtechnik,
 
wie Druckluftflaschen, zum anderen erforderten z.B. neuartige Baumethoden tauchende Bauarbeiter.
 
Der professionelle und häufige Einsatz von Tauchern wiederum führte zu neuen Erkenntnissen
 
über das Tauchen selber. Aber auch die Wissenschaft machte ungeahnte Fortschritte.
 
Die Forscher nutzten die modernen technischen Geräte,
 
um mit neuen Messmethoden bisher unsichtbare Zusammenhänge zu erkennen.
 
Insbesondere die Chemie, die Medizin und die Biologie waren Nutznießer dieser Entwicklung.
 
 
Zu Beginn des Jahrhunderts schritt die Weiterwentwicklung der Helmtauchtechnik weiter voran.
 
Der aus der kleinen Ostseestadt Barth stammende Kapitän Peter Kreft führte
 
1800 einen funktionierenden Helmtauchanzug in der Ostsee vor.
 
Ab 1819 entwickelte der in England lebende Sachse August Siebe den offenen
 
Helmtauchanzug weiter und stellte 1838 den geschlossenen Helmtauchanzug vor.
 
Der Helm war nun wasserdicht mit dem Anzug verbunden, so dass er nicht mehr mit Wasser vollaufen konnte.
 
Die von Siebe entwickelte Konstruktion wurde jahrzehntelang in großen Stückzahlen
 
und verschiedenen Ländern gebaut und war weit bis in das 20. Jahrhundert hinein im Einsatz.
 
Die wichtigste Weiterentwicklung war, als 1865 die Franzosen Rouquayrol
 
und Denayrouze Tauchgeräte mit Druckluftbehältern ausstatteten.
 
Diese dienten der Sicherheit für den Fall eines Ausbleibens der externen Luftzufuhr.
 
Mit Siebes Erfindung erreichte die Tauchtechnik ein neues Niveau.
 
Gerätetauchgänge waren nun keine seltenen Einzelleistungen weniger Pioniere mehr.
 
Berufstaucher begannen regelmäßig unter Wasser zu arbeiten.
 
Die immer häufigeren Tauchgänge führten zu immer mehr praktischen Erfahrungen,
 
aus denen bis heute gültige Regeln folgten. Z.B. wurde schon in den 1830ern vorgeschrieben,
 
dass immer 2 Taucher gemeinsam zu arbeiten haben und für einander verantwortlich sind.
 
 

Ab 1840 kam es zu häufigen Einsätzen von Caissons (franz.: Kasten).

Diese Weiterentwicklung der Tauchglocke wird bis heute für die Konstruktion von Gebäuden genutzt.

Ein druckfester Kasten wurde über den Grund des zukünftigen Fundamentes gebracht,

abgesenkt und anschließend mit Druckluft das Wasser herausgedrückt.

Danach konnten Arbeiter im Caisson am Boden des Gewässers das Fundament ausschachten

und anschließend den Bau errichten. Mit dieser Methode wurde z.B. die Brooklyn Bridge in New York gebaut.

Da diese Technik erfolgreich war, wurden und werden weltweit viele Brücken mit Caissons gebaut.

Unzählige Arbeiter mussten unter hohem Überdruck arbeiten.

Die physiologischen Probleme des Druckes waren mangels praktischer Erfahrung nicht bekannt.

Sehr viele Bauarbeiter und auch Helmtaucher erkrankten nach dem Aufstieg

an einer bis dahin unbekannten Krankheit. Tausende starben. Taucher und Caisson-Arbeiter

hatten keine hohe Lebenserwartung.

Das rätselhafte und oft tödliche Phänomen wurde als „Maladie de caisson“, „Kastenkrankheit“,

Taucherkrankheit “ und später als „Druckluftlähmung“ benannt.

Die Krankheit wird heute als Dekompressionserkrankung bezeichnet.

Bei normalem Luftdruck ist Stickstoff im menschlichen Körper nur in geringem Maße lösbar.

Aber bei höherem Druck reichert sich mehr Stickstoff aus der Atemluft im Blut

und Gewebe des Tauchers an. Bei schnellem Druckabfall perlt er wieder aus

wie Kohlendioxid aus einer geöffneten Sodaflasche.

Die winzigen Gasbläschen richten enorme Schäden am Körper des Tauchers an.

1857 veröffentlichte der deutsche Physiologe Felix Hoppe-Seyler seine Theorie der Gasblasenembolie.

1869 folgte Leroy de Mericourt hierzu mit einer medizinischen Abhandlung.

Mericourt erkannte zwar den Zusammenhang zwischen Tauchtiefe, Tauchzeit

 und Geschwindigkeit des Aufstieges, war aber nicht in der Lage,

in der Praxis handhabbare Anweisungen zu definieren.

Dieser wichtige Schritt gelang erst 1878, als der französische Physiologe Paul Bert

erste Regeln für die Dekompression definierte.

Die Bertschen Regeln waren für 30 Jahre die Grundlage für Taucharbeiten.

Bert erkannte außerdem einen weiteren bis dahin unbekannten Zusammenhang,

der in der Literatur als Paul-Bert-Effekt bezeichnet wird.

Er beschrieb erstmals die giftige Wirkung von reinem Sauerstoff unter Druckbedingungen.

 

Eine weitere bedeutsame technische Entwicklung des 19. Jahrhunderts war

die Erfindung der Fotografie durch Nièpce und Daguerre.

Schon 1856 belichtete der Brite William Thompson die ersten nachweisbaren Unterwasseraufnahmen.

 

1873 definierte der niederländischen Physiker Johannes Diderik van der Waals

eine Beschreibung der Zusammenhänge zwischen Druck, Temperatur und Volumen realer Gase,

die als Van-der-Waals-Gleichung bezeichnet wird.

Damit war die Phase grundlegender physikalischer Entdeckungen,

die für das Tauchen von Bedeutung sind, vorerst abgeschlossen.

 
 
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 20. Jahrhundert - Die Moderne
 

Das 20. Jahrhundert war geprägt durch Weiterentwicklungen in allen Bereichen

der Wissenschaft und Technik. Die durch das Fließband revolutionierte industrielle

Massenproduktion gestattete die preiswerte Herstellung vieler Produkte.

Neue Werkstoffe drangen bald in alle Lebensbereiche vor.

So waren die Kunststoffe die Voraussetzung für Taucherflossen,

moderne Tauchmasken oder Thermoanzüge.

Die fallenden Preise und die wachsenden Erkenntnisse über die Tauchmedizin

ermöglichten ab der 2. Hälfte des Jahrhunderts immer mehr Menschen,

dem Tauchen aus reinem Vergnügen nachzugehen.

Das Jahrhundert war aber auch ein Zeitalter barbarisch und industriell geführter Weltkriege

und eines weltweiten Wettrüstens. Neue Waffen wie U-Boote wurden entwickelt,

was auch neue Entwicklungen im Bereich des Tauchens zur Folge hatte.

 

Zu Beginn des neuen Jahrhunderts forschte der Britische Physiologe John Scott Haldane

im Bereich der Atmung. Er erkannte, dass der Atemreflex ausschließlich

vom Partialdruck des Kohlendioxides in der Atemluft abhängig ist. Im Auftrag der Royal Navy

erforschte er wissenschaftlich die Gesetze der Dekompressionserkrankung

und nutzte Ziegen als Versuchstiere.

Er stellte fest, dass magere Ziegen weniger anfällig als fette waren,

woraus er den Schluss zog, dass es unterschiedliche Gewebeklassen gibt,

die den Stickstoff unterschiedlich intensiv aufnehmen.

Seine bis zu einer Tiefe von 58 m geltenden Dekompressionstabellen waren

für die nächsten 25 Jahre Grundlagen des Tauchens. Grundlegende Erweiterungen

gelangen dem Schweizer Mediziner Albert Bühlmann in den 1950ern.

Teile der Haldaneschen Tabelle haben bis heute ihre Gültigkeit nicht verloren.

 

Um 1907 entwickelten die deutsche Firma Dräger

und die britische Firma Siebe-Gormann Tauchretter für U-Boot-Besatzungen.

Diese Konstruktionen basierten auf dem Prinzip des Kreislaufgerätes

und retteten in den beiden Weltkriegen vielen U-Boot-Besatzungen das Leben.

4 Jahre später stellte Dräger einen Helmtauchanzug ohne externe Luftversorgung vor.

Grundlage der Luftversorgung war ebenfalls ein Kreislaufgerät.

Ungelöschter Kalk absorbierte das ausgeatmete Kohlendioxid.

2 Sauerstofflaschen lieferten das Atemgas. Die Konstruktion wurde

in den nächsten Jahren von Dräger kontinuierlich weiterentwickelt.

Das Prinzip wird bis heute in modernen Kreislaufgeräten genutzt,

allerdings wird aus Sicherheitsgründen reiner Sauerstoff nur noch selten verwendet.

 

Ab 1917 baute die deutsche Firma Neufeldt und Kuhnke die ersten

funktionierenden Panzertauchanzüge. Ein Panzertauchanzug ist vergleichbar

mit einem U-Boot eine druckfeste Konstruktion.

Der Taucher befindet sich im inneren des Anzuges unter Normaldruck.

Die maximale Tauchtiefe ist nicht durch physiologische Probleme des menschlichen Körpers,

sondern lediglich durch die Druckfestigkeit des Anzuges vorgegeben.

Der erste Anzug von 1917 war für Tauchtiefen von bis zu 170m ausgelegt.

Mit modernen Panzertauchanzügen sind Tiefen unter 600m erreichbar.

 

1926 entwickelte Dräger seinen Tauchretter zum „Bade-Tauchretter“ weiter.

Freitauchgänge wurden möglich. Erstmals konnten Tauchgeräte zu Sportzwecken genutzt werden.

 

Der neuartige Kunststoff Neopren wurde 1930 von den US-Amerikanern Collins

und Carothers im Auftrag des Chemiekonzerns DuPont entwickelt.

Neopren ist ein aufgeschäumtes Chlor-Kautschuk-Polymer und hat durch

die eingeschlossenen Gasblasen sehr gute Wärmeisolationseigenschaften.

Moderne Tauchanzüge bestehen hauptsächlich aus diesem Material

und erlauben einen längeren Aufenthalt in kälteren Tiefen.

 

Bisher konnten Taucher nur mit schweren Schuhen aufrecht auf dem Grund laufen.

Im Jahre 1933 konstruiert der Franzose Louis Ce Corlieu Schwimmflossen.

Er ließ sich die Erfindung in Frankreich und den USA patentieren.

 

In den 1930ern forschte der US-amerikanische Marine-Offizier Charles Momsen

an Problemen der Dekompression und der Stickstoffnarkose.

Er testete verschiedene Atemgasgemische und ersetzte das Stickstoff der Atemluft

wegen seiner schädlichen Wirkung teilweise durch das Inertgas Helium.

Bis zum heutigen Tage wird bei Tieftauchgängen Trimix, eine Mischung aus Stickstoff,

Helium und Sauerstoff, eingesetzt.

 

Ab 1937 begann der österreichische Biologe Hans Hass mit der Erforschung des Unterwasserlebens.

Er nutzte ein umgebautes Dräger-Kreislaufgerät. Seine Bücher und insbesondere

seine Filme erreichten weltweit hohe Popularität.

 

Zwischen 1942/43 entwickelten Georges Commeinhes und Emile Gagnan auf Anregung

des bekannten französischen Meeresforschers Jacques-Yves Cousteau die „Aqualung“.

Die Aqualung war der erste Lungenautomat. Der Lungenautomat ist ein offenes Pressluftgerät,

bei dem das Atemgas durch eine Pressluftflasche geliefert wird.

Der Lungenautomat gibt die Luft genau mit Umgebungsdruck an den Taucher ab.

Die ausgeatmete Luft wird einfach in’s Wasser abgegeben.

Nach einer Anekdote soll der US-amerikanische Handelsvertreter Cousteaus den US-Markt

nach 10 verkauften Einheiten für gesättigt gehalten haben.

Das war ein großer Irrtum! Der Lungenautomat wurde 1955 von Gautier und Bronnec

zum Einschlauch-Automaten weiterentwickelt, bei dem Hoch- und Niederdruckstufe

des Reglers räumlich getrennt und durch einen Schlauch verbunden wurden.

Dadurch konnte der Niederdruckregler direkt am Mundstück liegen,

was den Atemkomfort weiter verbesserte. Diese Technik ist prinzipiell heute noch im Einsatz.

 

Seit dieser Zeit wurden weltweit Tauchsportvereine gegründet.

Der Verband Deutscher Sporttaucher(VDST) wurde 1954 und

der Tauschsportverband Österreich(TSVÖ) 1967 gegründet.

 

1962 erreichte der Schweizer Hannes Keller über 300m Tiefe mit einem Lungenautomaten

und nach den Theorien von Albert Bühlmann optimierten Gasgemischen.

Bei dem Rekordversuch fanden zwei Sicherungstaucher den Tod.

 

 Im folgenden Jahr wurde das „Dekometer“ eingeführt.

Es handelte sichum einen mechanischen Rechner,

der aus Tauchzeit und Tiefe die Dekompressionszeit ermittelte.

 

Zwischen 1962 und 1970 betrieben Frankreich und die USA erste Unterwasserstationen

zur Erforschung der Langzeiteinwirkung des Druckes auf den menschlichen Körper.

Ebenfalls in den 1960ern wurden an der State University of New York

erste frühe Versuche der Flüssigkeitsatmung durchgeführt. Als Versuchstiere wurden Mäuse genutzt.

 

Ab 1968 wurde das aufgrund mehrerer tödlicher Unfälle umstrittene elektronisch

geregelte Kreislaufgerät eingeführt. Ursprünglich wurde mit reiner Sauerstoffzufuhr gearbeitet.

Da reiner Sauerstoff ab 7m Tiefe giftig ist, werden derartige Geräte inzwischen meist

mit Pressluft betrieben und gelten als zuverlässig. Sogenannte „Elektrolungen“

gehören heute zur Grundausstattung der Kampf- und Minentaucher der Bundesmarine.

Sie werden wegen der geringen Atemgeräusche gerne von Tierfotografen genutzt.

Aufgrund der hohen Kosten sind Kreislaufgeräte bei Sporttauchern sehr selten.

 

Der Hersteller Scubapro stellte 1971 die erste Tarierweste vor.

Auftriebskontrollwesten gehören heute zur Grundausstattung jedes Tauchers,

und der Umgang mit diesem Gerät gehört zu jeder Grundausbildung.

 

Zu Beginn der 1980er wurden die ersten zuverlässigen Tauchcomputer vorgestellt.

Die elektronische Rechentechnik erlaubt, die Stickstoffsättigung des Körpers präziser zu berechnen.

Beim modernen Tauchen werden die klassischen Tabellen nur noch in der Grundausbildung eingesetzt.

So gut wie jeder Taucher benutzt inzwischen Tauchcomputer.

 

Sinkende Preise und die Sicherheit moderner Technik führten in den 1990ern zu einem Boom des Sporttauchens.

Schätzungen besagten, dass alleine in den USA jährlich 500.000 Gerätetaucher ausgebildet wurden.

Im Jahre 2000 zertifizierte der weltweit größte Tauchsportverband PADI 950.000 neue Taucher.

2001 gab es in Deutschland 6.000 Tauchlehrer. 2002 gab es alleine in den USA

geschätzte 8,5 Millionen Menschen, die einen Tauchschein besaßen.

 
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 Forschung und Zukunft
  

Seit 1990 wird u.A. an der Berliner Charité intensiv an der Flüssigkeitsbeatmung geforscht.

Perflurcabone sollen als Atemgasersatz dienen. Inzwischen haben die Forschungen einen Stand erreicht,

dass Patienten mit extremen Verbrennungsverletzungen der Lunge

und Frühgeburten flüssig beatmet werden können. Wegen der hohen Risiken

und Kosten wird diese Therapie nur im Extremfall genutzt.

Für das Tauchen würde diese Technik einen Quantensprung bedeuten.

Flüssigkeiten sind nur schwach kompressibel. Ein flüssig beatmeter Taucher

könnte theoretisch wesentlich tiefer tauchen als heutige Extremrekorde.

(1992 erreichten Taucher der französischen Tauchfirma COMEX bei einem simulierten

Tauchgang ein Druckniveau von 701m.)

 

Seit einigen Jahren testet COMEX auch neuartige Atemgasgemische.

Ziel ist, dass extrem teure Helium durch preiswertere Gase wie Wasserstoff zu ersetzen.

 

Seit Mitte der 1990er wird in Israel an der Gewinnung der im Wasser gelösten Luft geforscht.

Das Wasser wird mit Zentrifugen dekomprimiert.

Der fallende Druck führt zum Aussieden der gelösten Gase.

Ziel der Forschung sind elektrische Kiemen.

Allerdings würde die Technik in normal angereichertem Wasser einen Wasserdurchsatz

von über 4000 l/min voraussetzen, um einen durchschnittlich atmenden

Menschen mit ausreichend Atemluft zu versorgen.

Die entsprechend leistungsfähige Filter- und Pumpentechnik ist noch viel zu groß

und schwer für ein tragbares Gerät.

Kombinationen mit herkömmlichen Kreislaufgeräten sind aber schon im Labor getestet worden.

Insbesondere die israelische Marine und die US-Navy interessieren sich für diese neue Technik.

Der Vorteil wäre, dass man auf aufwendige Kompressoren zur Flaschenbefüllung verzichten könnte.

Man müsste lediglich die Akkumulatoren aufladen. Dass Akku's relativ schwer sind,

würde theoretisch kein Problem darstellen, da sie die Bleigewichte

und schweren Druckflaschen ersetzen könnten.

 
 
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PADI 5 Star National Geographic Instructor Development Center.
 
198/12 Rat-U-Thit Road, Patong, Phuket, Thailand.
Phone: (+66) 076292052
Fax:    (+66) 076293034

 
 
 
 
 
 
 
 

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